Anfangen mit der Imkerei
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Wenn bei jemandem das Interesse an Bienen geweckt ist, man unerwartet den ersten Bienenschwarm im Garten hängen hat oder z. B. von einem Imker, der sein Hobby aufgibt, gleich ein paar komplette Bienenstöcke übernehmen kann, stellt sich womöglich die Frage: Wie fange ich mit der Imkerei an?
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[bearbeiten] Vorüberlegungen
[bearbeiten] Zeitfaktor
Vor allem zur Zeit der Schwarmverhinderung müssen die Bienenvölker regelmäßig, mindestens alle neun Tage durchgesehen und auf Schwarmzellen untersucht werden, um die Nachzucht von Königinnen und damit den Auszug eines Bienenschwarmes zu verhindern. Diese regelmäßige Durchsicht duldet keinen Aufschub und macht die Bienenhaltung, je nach Betriebsweise und Anzahl der Völker, zu einem zeitaufwändigen Hobby. Hinzu kommt noch die Zeit, die man z. B. für Honigernte, Varroabekämpfung, Auffütterung oder Vorbereitung von Rähmchen einrechnen muss. Die Imkerei kann man, besonders im Frühjahr und Sommer, nicht einfach ruhen lassen, wenn einem danach ist - Bienen sind Lebewesen und wollen gepflegt sein! Diese Pflegemaßnahmen können sich sogar auf die Urlaubsplanung des Imkers auswirken.
[bearbeiten] Kosten
Die Kosten der Imkerei sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Schon für eine Grundausrüstung zur Haltung von drei Bienenvölkern muss man in etwa mit 750 EUR rechnen, die Komplettierung der Ausrüstung in den Folgejahren bringt weitere hohe Kosten mit sich. Zwar lassen sich mit dem Verkauf von Bienenprodukten auch Gewinne erzielen, Kosten und Erträge halten sich bei Hobbyimkern aber in der Regel die Waage. Die Kosten für Zubehör lassen sich reduzieren, wenn man mit handwerklichem Geschick z. B. Zargen selbst fertigt, Rähmchen nicht komplett kauft sondern in Eigenarbeit zusammenbaut oder Mittelwände aus eigenem Wachs mit einer Mittelwandpresse oder -gussform selbst herstellt.
[bearbeiten] Weitere Überlegungen
Bienenhaltung bedeutet oftmals Arbeiten in der Natur - allerdings nicht so sehr bei jedem Wind und Wetter: Denn die Eingriffe in die Bienenstöcke sollten im Sinne der Bienen nicht bei Regen oder Kälte durchgeführt werden. Bienenstöcke müssen manchmal umgesetzt werden, aber auch schon das Gewicht einer vollen Honigzarge ist nicht zu unterschätzen. Für Menschen mit Rückenleiden ist das Hobby daher nur bedingt oder nur unter Zuhilfenahme von bestimmten Hilfsmitteln zu empfehlen. Für Allergiker gilt: Bienenstiche können bei manchen Menschen schlimme allergische Reaktionen auslösen, vor der Anschaffung von Bienen sollte diese Problematik ärztlich abgeklärt werden. Falls auf einen Bienenstich eine allergische Reaktion zu erwarten ist sollte nur mit ausreichendem Schutz (Schleier, Handschuhe, Imkeranzug) geimkert werden.
Entschließt man sich jedoch für das Hobby der Imkerei, so kann man sich sicher sein, eines der abwechslungsreichsten und interessantesten Hobbys zu betreiben, die es überhaupt gibt.
[bearbeiten] Vor der Anschaffung der ersten Bienen
[bearbeiten] Theorie
Bevor man sich das erste Bienenvolk anschafft ist es in jedem Fall nötig, sich theoretisch mit der Imkerei zu befassen und sich über die imkerlichen Handgriffe sowie die Eigenschaften der Honigbiene zu informieren. Örtliche Imkervereine bieten dazu oftmals Kurse für Anfänger an, darüber hinaus gibt es zahlreiche Literatur zu diesem Thema:
[bearbeiten] Bücher für Anfänger
- Dr. Gerhard Liebig: Einfach Imkern (ISBN 3980356868)
- Carl Weiß: Der Wochenend-Imker (ISBN 3440097323)
- Lieselotte Gettert: Mein Bienenjahr (ISBN 3800173859)
- Franz Lampeitl: Bienen halten (ISBN 3800151952)
- Kaspar Bienefeld: Imkern Schritt für Schritt (ISBN 344009751X)
[bearbeiten] Fachzeitschriften
- Allgemeine Deutsche Imkerzeitung (Deutscher Landwirtschaftsverlag GmbH)
- Deutsches Bienen-Journal (Deutscher Bauernverlag GmbH)
- Die Biene (Deutscher Landwirtschaftsverlag GmbH)
- Imkerfreund (Deutscher Landwirtschaftsverlag GmbH)
- Bienen Aktuell (Landwirt Agrarmedien GmbH, Österreich)
[bearbeiten] Internet
- Die Honigmacher - Schnupperkurs für die Imkerei
- Imkerforum.de - Diskussionsforum für angehende und erfahrene Imker
- bee-in-contact.de - Unterstützung, Vernetzung und Videopodcasts für Jungimker (Kooperationsprojekt zwischen der Naturschutzjugend und dem DIB)
[bearbeiten] Praxis
Im zweiten Schritt empfiehlt es sich, den Umgang mit Bienen mit der Hilfe erfahrener Imker zu erlernen. Dazu bieten sich wieder die örtlichen Imkervereine an, die in ihren Anfängerkursen natürlich auch die Praxis mit einbeziehen. Wenn man Glück hat, bekommt man ein Mitglied des Vereins als so genannten Imkerpaten über ein ganzes Jahr mit Rat und Tat zur Seite gestellt. Aber auch einzelne Imker sind meist gerne bereit, interessierten Menschen die Bienenhaltung näher zu bringen.
[bearbeiten] Standortwahl
Hat man sich für die Bienenhaltung entschieden, kommt automatisch die Frage nach dem besten Standort auf. Man muss dabei zwischen folgenden Anforderungen unterscheiden: die der Bienen und die der Menschen.
Lässt man Bienenschwärme ihre Unterkunft frei wählen, so ziehen sie mit größerer Wahrscheinlichkeit in eine Baumhöhle in luftiger Höhe, über Mittag beschattet und mit Flugloch in Richtung Süden ein. Zwar kann der Imker diese Anforderungen nicht völlig mit seiner Arbeit vereinbaren, er kann aber sehr wohl darauf Rücksicht nehmen: Der Standort der Beuten sollte demnach luftig, aber nicht zugig und nicht zu feucht sein, dazu möglichst nicht der prallen Mittagssonne ausgesetzt. Zeigt das Flugloch in Richtung Süden oder Süd-Osten, ist die Feuchteregulation im Bienenstock angeblich besser und werden die Bienen durch die Morgensonne aus dem Stock gelockt, um früher mit ihren Trachtflügen zu beginnen. Der Richtung des Flugloches sollte aber nicht zuviel Bedeutung geschenkt werden; wenn die örtlichen Gegebenheiten es verlangen kann das Flugloch in jede andere Himmelsrichtung zeigen, ohne dass die Vitalität des Volkes merklich darunter leidet.
Mit der Ausrichtung des Flugloches bestimmt man gleichzeitig die Hauptflugrichtung der Bienen auf den ersten Metern nach Verlassen der Beute. Es sollte daher nicht direkt in den Nachbargarten zeigen oder auf einen frequentierten Weg, falls es nicht anders geht kann man die Bienen z. B. durch die Pflanzung einer Hecke in Flugrichtung dazu bringen, sofort nach dem Ausflug nach oben abzudrehen. Mit diesem kleinen Trick ist es außerdem möglich, Bienen selbst in Schrebergärten oder Wohngebieten zu halten, ohne dass sich Nachbarn davon gestört fühlen. Falls doch, wirken ein paar Gläser Honig als Geschenk zum Wohle guter Nachbarschaft oftmals Wunder.
In ländlichen Gebieten gilt die Bienenhaltung in der Regel als ortsüblich, wenn in dem Ort oder Dorf schon früher einmal Imker ansässig waren.
[bearbeiten] Wahl der Beutenform
Es ist eine Vielzahl verschiedener Bienenbeuten erhältlich, die sich in der Form unterscheiden. Man kann den Bienen entweder eine feste Beutengröße vorgeben, oder mit der Magazinimkerei durch flexible Zargen die Beutengröße je nach Volksstärke und Jahreszeit variabel halten. An die Wahl der Beute ist auch der Wabenbau geknüpft: Es gibt Beuten, in denen Naturwabenbau vorgesehen ist, in anderen gibt man mit Rähmchen und ggf. Mittelwänden den Wabenbau vor. Auch das Material der Beute kann variieren, heute gängige Materialien sind Holz und Kunststoff (Styropor).
Als Anfänger in der Imkerei muss man sich nicht zu Beginn für eine Beutenform entscheiden, die man in seiner gesamten Laufbahn als Imker verwenden wird. Hat man die Möglichkeit an günstige, gebrauchte Beuten heranzukommen, sollte man dieses Angebot nutzen. Bei gebrauchten Beuten muss die Hygiene gewährt sein, wenn man nicht mit Krankheiten beginnen will. Und Achtung, z.B. in Österreich werden nur neue Beuten finanziell gefördert. Die Vor- und Nachteile der jeweiligen Beutenform wird man mit der Zeit selbst erkennen und ggf. auf eine andere Beute wechseln.
[bearbeiten] Wahl des Rähmchenmaßes
Zur Vermeidung von Vandalismus und Spam wird beim Speichern einer bearbeiteten Seite eine einfache Rechenaufgabe gestellt. Diese Abfrage kann man durch Anmeldung im BienenWiki umgehen. Hier geht es zur Anmeldung.
[bearbeiten] Wahl der Bienenrasse
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Carnica oder Buckfast? Das ist sicherlich die am heftigsten diskutierte Frage, die sich ein Neu-Imker stellen kann.
[bearbeiten] Anschaffung der ersten Bienen
Fühlt man sich einigermaßen sicher im Umgang mit den Bienen, ist die Zeit gekommen, um sich die ersten Völker oder Ableger selbst anzuschaffen. Imker-Neulinge sind gut beraten, sich zuerst Ableger zuzulegen, da sie mit der Pflege ausgewachsener Völker ansonsten leicht überfordert und der Spaß aufgrund ständiger Schwärmerei schnell verflogen sein könnte. Allgemein heißt es: Lieber zwei oder drei, als nur ein Volk. Erstens will die Neugierde des neuen Imkers befriedigt sein und so verteilen sich die häufigen, aber verständlichen Kontrollen zu Beginn auf mehrere Völker. Zweitens bekommt er nur so die Möglichkeit, die Entwicklung und Verhaltensweise verschiedener Völker miteinander zu vergleichen und zu lernen, Schlüsse daraus zu ziehen. Und zuletzt ist es einfach sicherer, am Jahresende mit mehr als einem Volk in den Winter zu gehen, damit im folgenden Frühjahr zumindest ein Volk auswintert, von dem man dann neue Ableger ziehen kann.
Eventuell hat man bereits mit einem Imkerverein Kontakt aufgenommen und dort auch an einem Anfängerkurs teilgenommen. Es kommt häufig vor, dass der Verein Imker-Neulingen ein Volk oder Ableger zum Start in die Imkerei zur Verfügung stellt. Ansonsten kann man Ableger oder Vollvölker käuflich erwerben. Die beste Zeit für Ableger ist das Frühjahr bzw. der Frühsommer, wenn man zu dieser Zeit seine ersten Bienen bekommt, erlebt man fast die komplette Entwicklung eines Volkes mit und kann bereits im ersten Jahr seine(n) erste(n) Ableger machen und mit etwas Glück sogar den ersten eigenen Honig ernten.

