Pollen
Aus BienenWiki
Blütenstaub oder Pollen nennt man die Gesamtheit einer Menge winziger Pollenkörner, die von Blütenpflanzen zur Fortpflanzung als Träger des männlichen Chromosomensatzes gebildet werden. Als Bestäubung wird der Transport von Pollenkörnern auf die weiblichen Geschlechtsteile einer anderen Blüte bezeichnet. Es gibt prinzipiell zwei sich ausschließende Bestäubungsarten, Übertragung durch den Wind (Windblütler) und Übertragung durch Insekten (Insektenblütler). Form, Größe und Oberflächenstruktur der Pollenkörner variieren stark je nach Spezies, einzelne Körner haben meist eine Größe von einigen 10 Mikrometern (z.B. Haselstrauch 0,03 mm).
Inhaltsverzeichnis |
[bearbeiten] Aufbau und Inhaltstoffe
Ein Pollenkorn ist eine einzelne Pflanzenzelle. Die Oberfläche unterscheidet sich wesentlich nach der Bestäubungsart: bei Windblütlern ist diese trocken, bei Insektenblütlern dagegen in der Regel mit klebrigen Stoffen ausgestattet.
Die tragende Struktur des Pollenkorns sind seine beiden Schalen, die Exine (Aussenschale) und die Intine (Innenschale). Diese sind unverdaulich und nehmen 20% des Gewichts ein. An der Außenseite befindet sich u.U. der sogenannte Pollenbalsam (oder auch Pollenkitt), der aus Kittharzen, Terpenen, ätherischen Ölen und antibiotischen Substanzen (Flavoniode, die zugleich die farbbildenden Stoffe sind) besteht.
Die (höchst wertvollen) Inhaltsstoffe der Zelle setzen sich hauptsächlich zusammen aus: Proteinen (7-35%), Kohlehydraten (20-37%) und Fetten (0-14%). Daneben enthält es eine Reihe von Mineralsalzen und Spurenelementen (Kalium, Calcium, Magnesium, Phosphor, Schwefel, Kupfer, Eisen, Chlor), Vitaminen (B1, B2, B6, B12, C, D, E, H, P, Carotin, Flavonderivate), ätherischen Ölen (Minzöl, Thymianöl, Salbeiöl, u.a.) und antibiotische Substanzen. Die enthaltenen Proteine sind enzymatisch wirksam (beschleunigen biochemische Vorgänge). (Analyse nach Dany, 1990)
[bearbeiten] Bedeutung für die Bienen
[bearbeiten] Eiweißnahrung
Pollen dient aufgrund seines hohen Proteingehalts der Westlichen Honigbiene als Baustoff-Futtermittel für die Brut sowie für die Jungbienen. Im Herbst sind die Winterbienen auf Pollen angewiesen, um in ihrem Hinterleib den zur Überwinterung nötigen Fettkörper anlegen zu können. Pro Jahr benötigt ein Bienenvolk ca. 55 kg Pollen. Honigbienen transportieren den in Blüten gesammelten Blütenstaub in einer Rinne an ihren Hinterbeinen, dem Pollenkörbchen, und setzen ihm schon während des Sammelvorgangs verschiedene Enzyme mit ihrem Speichel zu. Der so gesammelte Pollen wird auch als "Pollenhöschen" bezeichnet. Im Bienenstock lagern sie den Pollen in Wabenzellen ein und erzeugen so das haltbare und besser verwertbare Bienenbrot.
[bearbeiten] Pollenbalsam
Bienen ernten von der Oberfläche des Pollen klebrige Öle, Harze und Farbstoffe (Flavonoide) und verwenden dieses als "Pollenbalsam" bezeichnete Konglomerat zur Desinfektion von Brutzellen (Schutzüberzug) sowie als Bestandteil des Propolis.
[bearbeiten] Bedeutung für den Menschen
Pollen ist wegen seiner zahlreichen und wertvollen Inhaltsstoffe als Nahrungsergänzung für den Menschen beliebt. Die positive Wirksamkeit ist in medizinischer Hinsicht unbestritten. Pollen wird dazu von Imkern geerntet, indem die Pollenklümpchen der vom Trachtflug zurückkehrenden Trachtbienen mit Hilfe einer Pollenfalle am Flugloch des Bienenstocks von deren Pollenkörbchen abgestreift werden.
Da im Honig auch immer geringe Mengen Pollenkörner enthalten sind, lässt sich anhand einer mikroskopischen Untersuchung des Honigs auf vorhande Pollenkörner auf dessen Herkunft schließen. Eine genaue Bestimmung der von den Bienen zur Erzeugung des Honigs angeflogenen Pflanzen ist jedoch mit dieser Methode nur bedingt möglich, da der Anteil des Blütenstaubs in eingetragenem Nektar aufgrund verschiedener Ursachen wie Wetter, Uhrzeit oder Pflanzenart stark schwanken kann.
Blütenstaub kann bei manchen Menschen allergische Reaktionen, vor allem Reizungen der Luftwege und der Augen, hervorrufen. Für Allergiker ist daher das Wissen um die jahreszeitlich auftretende Freisetzung von Pollen bestimmter Pflanzen, der so genannte Pollenflug, hilfreich, um auf die zu erwartenden körperlichen Reaktionen reagieren zu können. Entsprechend der Jahreszeit werden die normalen Blütezeiten der Pflanzen, die bekanntermaßen eine erhöhte allergische Reaktion in der Bevölkerung hervorrufen, in Pollenflugkalendern geführt.
[bearbeiten] Pollen in der Imkerei
Für den Imker ist der reiche Eintrag von Pollen in den Bienenstock durch Trachtbienen ein Hinweis auf ein weiselrichtiges Volk, also ein Volk, das eine in Eilage befindliche, gesunde Königin besitzt. Da neben der Form auch die Farbe des Pollens je nach Pflanzenart variiert, kann man von der Farbe des eingetragenen Pollens im Zusammenhang mit der Jahreszeit auf die von den Bienen angeflogenen Trachtpflanzen schließen.
[bearbeiten] Pollenbogen
Als Pollenbogen bezeichnet man die im regelmäßigen Nestbau der Bienen auftretende Anordnung von Pollen rund um die Brut. Es handelt sich um in Zellen eingelagertes Bienenbrot, das aufgrund seiner örtlichen Nähe zur Brut aber zum baldigen Verbrauch bestimmt ist.
[bearbeiten] Pollenbrett
Als "Pollenbretter" kennt die Imkersprache spezielle Waben, die überwiegend (zumindest auf einer Seite) der Lagerung von Bienenbrot dienen und keine Brut enthalten. Diese Pollenbretter dienen offensichtlich der längerfristigen Lagerung von Pollen; man findet sie auch im überwinternden Volk. Während der Brutzeit befinden sich diese Waben immer im direkten Anschluß an das Brutnest. Die Neigung von Völkern, Pollenbretter anzulegen, ist genetisch bedingt recht unterschiedlich. Ein Imker, der Perga ernten will, wird sich Völker suchen bzw. selektieren, die viel Pollen sammeln und gerne Pollenbretter anlegen. Perga bzw. ein Gemisch von Perga und Honig lassen sich von diesen Brettern relativ einfach gewinnen.
[bearbeiten] Pollenprodukte
Der Imker kann aus seinen Bienenschätzen im wesentlichen zwei Arten von Pollen anbieten: vor dem Flugloch gesammelte Pollenhöschen und aus Pollenbrettern gewonnenes Perga (Bienenbrot). Gebräuchlich sind auch Mischformen dieser Pollenstoffe mit Honig.
[bearbeiten] Quellen
- Joachim Nitschmann, Johannes Otto Hüsing: Lexikon der Bienenkunde, Wien 2002 (ISBN 3-85492-616-2)
- Bernd Dany: Pollensammeln heute, München (4. Aufl.) 1990 (ISBN 3-431-02556-0)
[bearbeiten] Weblinks
Bieneninstitut Kirchhain - Übersicht verschiedener für Bienen wertvoller Blütenpflanzen mit Angabe der Pollenfarbe und Blütezeit
Bieneninstitut Kirchhain - Übersicht über Pollenspender mit Angabe ihres Wertes als Bienenweide
Bioweb - mikroskopische Aufnahmen von Pollenkörnern verschiedener Pflanzen
Pollenflugkalender Deutscher Wetterdienst - Vorhersage des Pollenflugs der nächsten Tage
Artikel "Pollen", deutsche Wikipedia
[bearbeiten] Literatur
- William D.J. Kirk: A Colour Guide to Pollen Loads of the Honey Bee (Farbkarten zur Bestimmung des eingetragenen Pollens - Text in deutsch, englisch und französisch), (ISBN 978-0860982487)
- Günter Pritsch: Bienenweide, 200 Trachtpflanzen erkennen und bewerten (ISBN 978-3-440-10481-1)

